Schrift

Das geistliche Wort

Frühling und in den Augen reiben gehören zusammen. Vielleicht ist der Pollenflug dran schuld, vielleicht aber auch die vielen Knospen und kleinen Blüten, die den Weg in diese Welt finden. Wer möchte da schon gern zurückschauen auf das Graue davor?

Der Blick auf das Neue weckt die Lebensgeister. „Okuli“ steht über dem 3. Sonntag der Passionszeit. Sein Name geht aus Psalm 25,15 hervor. Der Beter spricht: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Das „auf den Herrn sehen“ wird im Wochenspruch dieses Sonntags noch präzisiert. Der Evangelist Lukas berichtet von einem, der unbedingt mit Jesus mitgehen und ihm Nachfolgen will. Jesus sagt ihm, was das bedeutet: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Lukas 9,62

Für Jesus ist der Blick nach vorn Bedingung, um am Reich Gottes zu bauen. Sein Vergleich in der Landwirtschaft trifft auf einen Arbeitsvorgang, der auch auf unseren Feldern gerade stattfindet: die Furchen ziehen. Auch wenn diese nicht mehr jede einzeln mit dem Pflug gezogen werden, muss nach vorn geschaut werden, sonst gelingt das Vorhaben nicht.

Das Bild von dem Pflug, der Furche und dem Blick nach vorn lässt uns merken, was wir alles hinter uns und loslassen müssen, um am Reich Gottes zu bauen. Was lenkt uns davon ab, um nach vorn schauen zu können? Die Gebrüder Grimm überliefern uns mit einem zwinkernden Auge das Märchen vom „Hans im Glück“. Zuerst tut er uns leid, wie er sich so übers Ohr hauen lässt. Dann belächeln wir ihn, um uns bald von seiner Erkenntnis überraschen zu lassen. Mit freien Händen und dem Blick nach vorn sagt er über sich: „So glücklich wie ich gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim angekommen war.

Beatrice Rummel, Pfarrerin der Ev. – Luth. Markus – Paulus – Kirchgemeinde Plauen